Sonntag 05.08.2007 20.30 Uhr Schlosshof Schloss Heidelberg
N O R D I S C H E K L Ä N G E
Carl Nielsen
Helios-Ouvertüre
Jean Sibelius
Konzert für Violine und Orchester d-Moll
Edvard Grieg
Peer Gynt-Suiten
Violine Baiba Skride
Dirigent Cornelius Meister
Philharmonisches Orchester Heidelberg
Schon mit Mitte zwanzig ist sie ein Weltstar! Die lettische Geigerin Baiba Skride kommt zum ersten Mal nach Heidelberg und wird gemeinsam mit unserem gefeierten Generalmusikdirektor das zauberhafte Violinkonzert von Jean Sibelius spielen.
Zu Beginn des Abends lassen wir die Sonne in Carl Nielsens prächtiger Ouvertüre gleich wieder aufgehen! Nach der Pause nimmt uns Peer Gynt mit auf seine Abenteuer!
Mit freundlicher Unterstützung der
Ghaemian-Stiftung
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Nordische Klangreise in Galaform
Die Weltklasse-Geigerin Baiba Skride und die Heidelberger Philharmoniker unter GMD Cornelius Meister bei den Schlossfestspielen
Wenn in einem Open-Air-Konzert bei besonders leisen Stellen vollkommene Stille herrscht und sogar die Natur der Musik zu lauschen scheint, dann ist seltene Magie im Spiel.
Das vierte und letzte Schlossfestspielkonzert der Heidelberger Philharmoniker unter GMD Cornelius Meister war nicht nur in dieser Hinsicht ein perfekter Abend. Hier stimmte wirklich alles: die traumhaft laue Sommernachtsatmosphäre im voll besetzten Schlosshof, das gleich drei Größen der skandinavischen Romantik versammelnde Spezialitätenprogramm, dazu ein in Galaform musizierendes Orchester und als Krönung mit der jungen lettischen Weltklasse-Geigerin Baiba Skride eine Solistin von bezwingender künstlerischer Ausstrahlung. Dass die servierten „nordischen Klänge“ neben heimischen sehr wohl auch exotischferne Inspirationsquellen verrieten, passte vorzüglichzum Bilderbuch-Ambiente des Abends.
Unter griechischer Sonne entstand im Jahre 1903 die nach dem Sonnengott Helios benannte Konzertouvertüre opus 17 von Carl Nielsen (1865-1931), mit der dem in letzter Zeit erfreulicherweise zunehmend wiederentdeckten dänischen Komponisten fraglos eines der schönsten Sonnenaufgangsstücke der Musikgeschichte gelungen ist. Wie Meister und „seine“ Philharmoniker den individuellen Farbenreichtum dieser verkappten Sinfonischen Dichtung zu ebenso prächtiger wie subtiler Entfaltung brachten, machte Appetit auf weitere gemeinsame Nielsen-Projekte. Ein Extralob gebührte der superb disponierten Hörnergruppe, die das zentrale hymnische Thema des Werkes mit allem notwendigen Glanz ausstattete – Höhepunkt eines romantischen Klangkunststücks, das den Orchesterzau berer Nielsen von seiner besten und attraktivsten Seite zeigte.
Obwohl Baiba Skride an diesem Abend ihr Philharmoniker-Debüt gab, ist sie doch in Heidelberg längst keine Unbekannte mehr. Bereits 2003 und 2006 durfte man ihre außergewöhnliche künstlerische Reife bei den Kammerkonzerten der hiesigen Gesellschaft der Musik- und Kunstfreunde bewundern, wo sie zusammen mit ihrer Schwester Lauma Skride (Klavier) gastierte.
Ihre Darbietung des ebenfalls 1903 komponierten d-moll-Violinkonzerts opus 47 von Jean Sibelius unterstrich die damals gewonnenen Eindrücke denkbar wirkungsvoll.
Die 1981 geborene Lettin ist eine wunderbar uneitle und ernsthafte Virtuosin, die in Sachen Klangschönheit und vor allem Gestaltungsintelligenz die meisten ihrer derzeit hoch gehandelten jungen Kolleginnen deutlich überragt.
Bei Sibelius jedenfalls – einem ihrer Paradestücke – konnte man von der hinreißend verinnerlichten Kopfsatz-Einleitung bis hin zur unwiderstehich gesteigerten Finalstretta ein fasziniernd vielfältiges Spektrum geigerischer Farben und Nuancen erleben, das immer ganz in den Dienst (an) der Musikgestellt wurde.
Cornelius Meister und die Heidelberger Philharmoniker unterstützten Skrides unerhört differenzierten Vortrag mit einer koloristischen Sorgfalt, die gerade den verhaltenen Abschnitten der Partitur anrührende kammermusikalische Intensität verlieh. Für die verdienten Ovationen bedankte sich die Solistin mit der leuchtend kantablen Sarabande aus Bachs d-moll-Partita (BWV 1004).
Viel Inspiration und Liebe zum Detail zeichnete auch die den Abend beschließendeWiedergabe der beiden endlich einmal komplett zu hörenden Peer-Gynt Suiten opus 46 und 55 von Edvard Grieg aus. Meisters Begeisterung für den großen Norweger trug hier erneut so herrliche Früchte, dass man seinen Wunsch nach einer vollständigen Aufführung der einschlägigen Schauspielmusik nur lebhaft teilen kann.
Mit der Zugabe setzten das grandios aufgelegte Orchester und sein charismatischer Chef sogar noch eins drauf:
Sibelius' „Finlandia“-Epos opus 26, das selten schwungvoller und feuriger daherkam als an diesem malerischen Abend im Schlosshof.
(Klaus Roß, RNZ 7.07.2007)
Fotos: Markus Schweizer, Robert Schweizer