

Liebes & verehrtes Opernpublikum,
„Mut zur Freiheit“ – unser Spielzeitmotto führt in seinem zweiten Jahr bei grundverschiedenen Opern zu ganz ähnlichen Fragen. Wie viel Freiheit erlaubt die Liebe? Wie viel Verantwortung tragen Partner füreinander? Beginnt die Freiheit des Einen dort, wo die Freiheit des Anderen aufhört?
Offenbachs Geschichte des modernen Orpheus, der seine Eurydike lieber loswerden möchte, schildert die Ehe als einen Kerker, dessen Insassen listig den lustvollen Ausbruch planen.
Ganz anders in Beethovens FIDELIO. Leonore nimmt die lebensgefährliche Herausforderung an, sich als Mann zu verkleiden, um im Staatsgefängnis ihrem Ehemann nahe zu sein. Die Ehe als „kleinste kommunistische Zelle“ wie Michel Houellebecq es ausdrückt, Zweisamkeit als kleinste Einheit des Zusammenhalts gegenüber der Willkür der Mächtigen.
Was Leonore und Florestan in FIDELIO als gemeinsam erkämpfte Freiheit gewinnen, verspielt der Mohr von Venedig: Otello erdrosselt seine Frau aus Eifersucht und bringt sich damit um alle äußerlichen Freiheiten, die er als Feldherr vorher besessen hat. Ellida, die Heldin in Alexander Munos VOM MEER, formuliert gegenüber ihrem Mann die alles entscheidende Forderung innerhalb des paradoxen Systems der Ehe: „Ich möchte, dass wir uns beide die Freiheit zurückgeben.“
Mit VOM MEER setzen wir ganz bewusst eine Uraufführung an das Ende der Reihe von Opern, die wir als erstes Theater nachgespielt haben und geben einem jungen, aufstrebenden Komponisten die Chance, sich auf der Opernbühne zu präsentieren. Halten Sie uns auch in dieser Spielzeit die Treue – mit einem Spielplan, der vom Barockzeitalter bis in die Gegenwart reicht; mit der ZAUBERFLÖTE als Wiederaufnahme und einem FESTLICHEN OPERNABEND mit Arien, Ensembles und Chören von Mozart bis Verdi.
Seien Sie herzlich willkommen!
Ihr Joscha Schaback
Operndirektor