

Mittwoch, 16.12.2009 20.00 Uhr Stadthalle Heidelberg

Jórunn Viðar
ELDUR (FEUER)
Christopher Rouse
DER GERETTETE ALBERICH
(Phantasie für Solo-Schlagzeug und Orchester)
Modest Mussorgski
BILDER EINER AUSSTELLUNG
Schlagzeug Johannes Fischer
Dirigent Cornelius Meister
Philharmonisches Orchester Heidelberg
Was macht eigentlich der böse Zwerg Alberich nach der Götterdämmerung? Der amerikanische Komponist Christopher Rouse hat sich diese Frage gestellt, und DER GERETTETE ALBERICH ist die Antwort. Gespickt mit Zitaten aus Wagners RING und mit einem virtuosen Solopart wird die Fortsetzung der GÖTTERDÄMMERUNG zu einer humorvollen Reise in die Welt nach dem Weltuntergang.
Nicht weniger anschaulich: Modest Mussorgskis bekannter Zyklus BILDER EINER AUSSTELLUNG, den wir im 2. FAMILIENKONZERT am 20.12.2009 noch einmal in einer Fassung für Kinder wiederholen.
Mit der stürmischen Ballettsuite FEUER der isländischen Komponistin Jórunn Viðar eröffnen wir das theatralischste Philharmonische Konzert dieser Saison.
Schlagzeuger Johannes Fischer hat 2007 alle für Schlagzeuger verfügbaren Preise bekommen, so den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs sowie den 1. Preis, den Publikumspreis und mehrere Sonderpreise beim ARD-Musikwettbewerb.
Inzwischen ist er Professor an der Musikhochschule Lübeck und einer der gefragtesten Schlagzeugsolisten Europas.
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Alberich und der singende Wok
Cornelius Meister dirigierte das 3. Philharmonische Konzert
Musik, die Bilder malt, stand auf dem Programm des 3. Philharmonischen Konzerts in der Heidelberger Stadthalle, und dazu gehörten auch Raritäten wie „Eldur“ (Feuer) der isländischen Komponistin Jorunn Vidar. Geschrieben hat es die 1918 geborene Künstlerin als Ballettmusik im Jahre 1951. Jovial und aufgeräumt klang die Suite daraus, die Cornelius Meister dirigierte. Heitere Passagen standen neben elegischen, wobei der nordische Tonfall unüberhörbar blieb. Volksmusik-Anklänge hörte man in dem großen Violinsolo, und im übrigen ist die Partitur sehr farbenreich instrumentiert.
Wie Wagner in Zeitlupe
Mit einem berühmten Schluss beginnt die Fantasie für Solo-Schlagzeug und Orchester „Der gerettete Alberich“ von Christopher Rouse: Mit der hymnisch verklärenden Schlusspassage von Wagners „Götterdämmerung“ nämlich, bevor der amerikanische Komponist (Jahrgang 1949) die unendliche Geschichte des „Ring des Nibelungen“ weiterspinnt, und den Giftzwerg Alberich zu rehabilitieren sucht. Sein Part wird vom Schlagzeugsolisten übernommen.
Johannes Fischer, 1. Preisträger beim ARD-Wettbewerb 2007 und seit diesem Jahr Musik-Professor in Lübeck, spielte den Solopart mit furioser Verve. Mit rasant klackernden Woodblocks und furios jagenden Passagen beginnt das Spiel nach dem verklärten Ende von vorne. Allerdings mit veränderten Vorzeichen. Da zwischen wird die Zeit angehalten mit himmlischen Streicher-Harmonien, die wie Wagner in Zeitlupe klangen. Und auch Alberichs Leitmotive aus dem „Ring“ erklingen im langsamen Mittelsatz, während sich Alberich auf dem Xylophon in ausdrucksstarken Harmonien nützlich macht. Oder auf dem singenden, klingenden Wok, der karibischen Steeldrum, welcher er exotische Töne entlockt. Ähnlich wie Wagner zeigt sich auch Christopher Rouse als Meister der Transformation.
Ekstatisch jazzend und rockend wie von Bernstein kam das Finale daher, mit martialischen Blech- und Schlagzeugeruptionen. Und hier waren auch die Orchester-Schlagzeuger mächtig involviert, wurden wilde Rhythmen auf die Trommeln geknüppelt. Große Begeisterung hinterließ das Werk beim Publikum und ebenso die hochvirtuose Kunst von Johannes Fischer, der sich mit einer Jazzballade auf dem Vibraphon bedankte.
Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ in der Orchesterfassung von Ravel gab es nach der Pause, und hier hörte man Stimmen, die man sonst kaum in dieser Fassung vernommen hat. So gleich zu Beginn, in dem wehmütig musizierten „Gnomus“.
Durch Cornelius Meisters kluge Lesart der Partitur wurde man richtig hineingezogen in eine faszinierende Bilderwelt: zunächst in „Das alte Schloss“ mit seiner großen Ruhe und Mystik. Der Heidelberger GMD zeigte sich nicht daran interessiert, einen effektvollen und virtuosen orchestralen Reißer zu inszenieren, sondern entwarf äußerst plastisch die besondere Atmosphäre jedes Bildes.
Die „Tuillerien“ und das „Ballett der unausgeschlüpften Küken“ kamen ohne den quirlig hochgedrehten Übermut, dafür heiter-entspannt, fast lakonisch.
Da klang alles sehr beredt, so die dunkle Feierlichkeit der Posaunen in den „Katakomben“, einem sehr tief empfundenen memento mori, wunderschön ausmusiziert, vor allem in der vollendeten Ruhe des lichten, lyrischen Teils.
Cornelius Meister am Pult nahm sich Zeit, um Stimmungen auszumalen. Da klang nichts pauschal, sondern immer sinnerfüllt und tief empfunden.
Rainer Köhl, RNZ, 18.12.2009
Fotos: Sabine Georg
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