A R C H I V 2009|2010: 1. PHILHARMONISCHES KONZERT

Mittwoch, 14.10.2009 20.00 Uhr Stadthalle Heidelberg

Martin Stadtfeld

 

John Cage

4'33"

 

Ludwig van Beethoven

KLAVIERKONZERT NR. 5 Es-Dur op. 73

 
Johannes Brahms

SYMPHONIE NR.1

  

Klavier Martin Stadtfeld

Dirigent Mario Venzago
Philharmonisches Orchester Heidelberg

Stadtfeld spielt Beethoven - Doch zuerst: die berühmteste Pause der Musikgeschichte!
Acht Spitzensolisten bieten die acht Philharmonischen Konzerte in dieser Spielzeit, und den Auftakt in der Reihe der hochkarätigen Gäste macht kein geringerer als der Pianist Martin Stadtfeld. Stadtfeld, der seinen internationalen Durchbruch mit einem 1. Preis beim renommierten Leipziger Bachwettbewerb feierte, war einige Zeit vor allem als Bach-Interpret geschätzt. Das änderte sich, als auch seine Einspielungen von Mozart-Klavierkonzerten Furore machten und er auch mit einer Schubert-CD den „Echo Klassik-Preis“ gewann. Es war sein vierter! Dass er auch ein hervorragender Beethoven-Interpret ist, wird Stadtfeld mit dem 5. KLAVIERKONZERT in der Heidelberger Stadthalle beweisen – und auf seiner neuen CD, die zwei Tage später erscheint.

Mindestens ebenso berühmt wie Martin Stadtfeld ist aber die Pause, mit der das Konzert beginnt: Genau 4 Minuten und 33 Sekunden lang pausiert das Orchester, so schreibt es John Cages Werk 4’33’’ vor. Dirigent Dietger Holm wird die richtige Länge der drei Sätze garantieren. Bei der Uraufführung 1952 wurde 4’33’’ von einem Pianisten aufgeführt, in der Heidelberger Stadthalle wird die selten gespielte Orchesterfassung erklingen.
Erklingen ist dabei durchaus das richtige Wort, denn genau darum ging es John Cage: Es gibt keine völlige Stille. Immer entstehen zufällige Klänge, daher ist ein Werk, das vollständig aus Pausen besteht, auch Musik. Was wir bei der Aufführung hören, ist nicht durch den Komponisten vorgeschrieben, sondern wird durch den Konzertsaal, die anwesenden Menschen und die Umgebung bestimmt. Die Konzertsituation sorgt lediglich dafür, dass wir diese immer vorhandenen Geräusche als Musik wahrnehmen, wenn wir uns darauf einlassen. Vollständig nicht-intentional ist also das, was in 4’33’’ zu hören ist, und damit ist Cage nicht nur eins der einflussreichsten Werke des 20. Jahrhunderts gelungen, sondern wohl auch die radikalste Umsetzung des Spielzeitmottos „Mut zur Freiheit“. Wer hätte gedacht, dass dies mit einer Generalpause gelingt?

Aufgrund der kurzfristigen Besetzungsänderung (siehe unten) wird das Konzertprogramm teilweise geändert: Unverändert bleibt der Programmteil mit dem Starpianisten Martin Stadtfeld. Der weltberühmte Pianist eröffnet die Reihe der acht Philharmonischen Konzerte mit hochkarätigen Solisten mit Beethovens 5. KLAVIERKONZERT. Jedoch erklingt statt Carl Nielsens 2. SYMPHONIE am kommenden Mittwoch die 1. SYMPHONIE von Johannes Brahms.

Auch wenn niemand im Voraus weiß, was in den ersten Konzertminuten am 14. Oktober zu hören sein wird, so ist sicher: Auch Beethovens 5. KLAVIERKONZERT und Brahms 1. SYMPHONIE wird man nach der Erfahrung von viereinhalb Minuten „Stille“ im Konzertsaal ein wenig anders hören. 

 

Programmänderung im Konzert mit Martin Stadtfeld

Mario VenzagoMario Venzago dirigiert das 1. Philharmonische Konzert

Für den erkrankten Dirigenten Dietger Holm springt am Mittwoch spontan der Ehrendirigent des Philharmonischen Orchesters, Mario Venzago, ein und verhindert so eine Absage des Konzertes, das bereits fast ausverkauft ist und auf das sich viele Heidelberger freuen! Mario Venzago war von 1986-1989 Generalmusikdirektor der Stadt Heidelberg und gehört zu den international gefragtesten Dirigenten seiner Generation. Mario Venzago wird in dieser Spielzeit auch das 8. Philharmonische Konzert am 2.6.2010 mit Werken von Wagner, Ravel und Schumann dirigieren.
Aufgrund der kurzfristigen Besetzungsänderung wird auch das Konzertprogramm teilweise geändert:
Unverändert bleibt der Programmteil mit dem Starpianisten Martin Stadtfeld. Der weltberühmte Pianist eröffnet die Reihe der acht Philharmonischen Konzerte mit hochkarätigen Solisten mit Beethovens 5. KLAVIERKONZERT. Jedoch erklingt statt Carl Nielsens 2. SYMPHONIE am kommenden Mittwoch die 1. SYMPHONIE von Johannes Brahms.

Wegen der großen Kartennachfrage hat das Theater und Philharmonische Orchester nun die Stehplätze für dieses Konzert in den Verkauf gegeben. Diese und wenige Restkarten sind ab sofort an der Theaterkasse, Tel. 06221.5820000 oder im Internet unter www.theater.heidelberg.de erhältlich.

 

Fotos von Proben und Konzert (zum Vergrößern bitte Anklicken)

Fotos: Robert Schweizer (Proben) und Ann-Christine Mecke (Konzert)

 

PRESSESPIEGEL  +  +  +  PRESSESPIEGEL  +  +  +  PRESSESPIEGEL  +  +  +  PRESSESPIEGEL  +  +  +  PRESSESPIEGEL

Das Orchester als verlängerter Arm des Pianisten
Mario Venzago leitete als Einspringer das Philharmonische Orchester Heidelberg
im ersten Sinfoniekonzert – Solist: Martin Stadtfeld

Neue Musik muss erklärt werden, denn man hört auch nur, was man weiß. Der Pianist Martin Stadtfeld bekannte allerdings im Interview (vgl. RNZ vom 14. Oktober), dass es bisweilen einfacher sei, einem Nichtwissenden den Zugang zur Musik zu ebnen als jemandem, der schon alle komplizierten Hintergründe und komplexen Strukturen eines Werkes kennt. Die unverstellte, sinnliche Erfahrung von Musik wirke oft direkter.
Quod erat demonstrandum: Dirigent Mario Venzago hatte es gut gemeint und griff zum Mikrofon, bevor er das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg vier Minuten und 33 Sekunden lang still sitzen ließ. Hätte er es besser nicht getan, denn seine Vorab-Zerklärungen dauerten länger, als das Werk selbst – und nahmen
ihm noch jeden Überraschungseffekt. Kluge Worte über John Cage, die nichtsdestoweniger den Revoluzzer zum Heiligen und seine stille Provokation zum weihevollen Gebet erstarren ließen, machten das berühmte Stück mit dem lapidaren Titel seiner Dauer zum kuriosen Moment einer letztlich langweiligen Ereignislosigkeit. Denn Cages Klassiker aus dem Jahre 1952 lebt eben auch von der Publikumsreaktion. Es gibt in 4'33" nämlich durchaus „Musik“ – im Konzertsaal, im Publikum. Das Stück verlor so seine Spannung,weil niemandwagte, ehrliche Verwunderung zu äußern, gar gegen solch schwergewichtige „Zeitverschwendung“ zu protestieren. Ach, hätte es nurjemand getan! Cages über allem schwebende Heiterkeit hätte dieses Saison-Präludium schlaglichtartig durchleuchtet!

langanhaltender ApplausDafür aber glänzte der Rest des Programms über die Maßen: Ausnahmepianist Martin Stadtfeld, der gerade mit einer CD Furore macht, für die er ganz frühe, wenig bekannte Beethovenwerke (als zweite Zugabe gewährte er einen Einblick in diese) und das zweite Klavierkonzert aufnahm, war mit dem fünften Beethoven-Konzert zu Gast. Seine pianistische Brillanz strafte jene Lügen, die behaupten, dieses Konzert sei eigentlich eher eine Sinfonie mit Klavierbegleitung als ein Solokonzert. So erschien das Orchester hier im engen Kontakt mit dem Pianisten fast als dessen verlängerter Arm, als Fortführung des Klavierparts mit orchestralen Mitteln.

Stadtfeld setzte musikalisch auf wirkungsvolle Kontraste. Er betonte synkopische Gegenrhythmen und motorische Kräfte, gab andererseits einem Seitenthema des Kopfsatzes etwa den berückenden Ton einer Kinderspieluhr, die Erinnerungen an früheres Glück hervorrief, wie es naiver und himmlischer kaum sein kann. Auch die schlichte Lyrik des Mittelsatzes gewann Farbe und Poesie, das Finale vor allem jedoch perlende Virtuosität.

Mario Venzago zeigte sich hier als ebenso souveräner Koordinator wie leidenschaftlicher Musiker, der im Gespann mit Martin Stadtfeld auch das Philharmonische Orchester stark motivierte. Ein Dreamteam, das der Saison einen bemerkenswerten Start bescherte, der schon in der Pause als geradezu „legendärer“ Konzertmoment im Raum stand. Stadtfeld bedankte sich für die Begeisterung des Publikums mit einer fulminant kraftvollen Wiedergabe der Prokofjew-Toccata und jener erwähnten Beethoven-Rarität.
Wegen der plötzlichen Erkrankung des eigentlich vorgesehenen Dirigenten Dietger Holm wurde die zweite Sinfonie von Carl Nielsen, die eine Heidelberger Erstaufführung gewesen wäre, leider aus dem Programm genommen: Doch mit Brahms' Erster wurde man in Venzagos emotionsreicher Wiedergabe gut entschädigt. Der Ehrendirigent des Heidelberger Orchesters und ehemalige GMD, der den Abend durch seinen Einsatz rettete, zeigte seine tiefe Verbundenheit mit den Musikern in einer allzeit zupackenden, direkten Art und Weise: Kurze Zügel und stets herausfordernde Zeichengebung motivierten vor allem die Solo-Instrumentalisten und zeigten das ganze Orchester von seiner besten Seite und in Hochform.
Tosender Beifall. Der anwesende GMD Cornelius Meister und der Intendant des Theaters und Philharmonischen Orchesters, Peter Spuhler, konnten auch zufrieden sein.

Matthias Roth, RNZ, 16.10.2009

 

Mit freundlicher Unterstützung von   

Logo octapharma

 

 

 

 

Kartenverkauf im Internet:
>> ONLINE - TICKETS 

TICKET - HOTLINE
06221 - 58 20000