A R C H I V 2008|2009: 1. Schlosskonzert - SPANISCHE NACHT

Samstag, 27.06.2009 20.30 Uhr Schlosshof Schloss Heidelberg

 

Simone Lamsma

 

SPANISCHE NACHT

Michail Glinka
Erinnerung an eine Sommernacht in Madrid
Fantasie auf spanische Themen

 

Edouard Lalo
Symphonie Espagnol op. 21

 

Edward Elgar
The Spanish Lady Suite

Nikolai Rimski-Korsakow
Capriccio Espagnol

 

 

Simone Lamsma Violine

Dietger Holm Dirigent
Philharmonisches Orchester der Stadt Heidelberg

 

Laue Nächte, Rotwein, Flamenco, Orangenbäume oder Stierkampf: Jeder von uns trägt ein Spanien-Bild in sich, so auch die Komponisten des 1. Schlosskonzerts, der Spanischen Nacht.

Leidenschaft und Stolz sprechen aus der Musik von Glinka, Lalo und Rimski-Korsakow. Edouard Lalos "Symphonie espagnole" entstand auf dem Höhepunkt der Spanien-Begeisterung in Frankreich, nur kurze Zeit vor Bizets "Carmen". Der spanische Teufelsgeiger Pablo Sarasate hatte die spanischen Melodien, die Lalo verwendete, höchstpersönlich gesammelt und übernahm auch den Violinpart in der Uraufführung.

Im 1. Schlosskonzert übernimmt die erst 24jährige holländische Geigerin Simone Lamsma Sarasates Part auf ihrer Stradivari. Sie kommt gerade erst von einer ausgesprochen erfolgreichen USA-Tournee zurück, bei der sich die Presse begeistert von ihrer blendenden Virtuosität zeigte.

 

Simone LamsmaSimone Lamsma

Die erst 24jährige Geigerin begann ihre solistische Laufbahn mit 14 Jahren, seitdem konzertiert sie weltweit mit renommierten Orchestern unter Dirigenten wie Sir Andrew Davis, Sir Neville Marriner und Lord Yehudi Menuhin. Vor kurzem erschien ihre zweite CD.
Unter ihren zahlreichen Auszeichnungen internationaler Wettbewerbe befindet sich die Silbermedaille aus Indianapolis und der 1. Preis des Benjamin Britten-Wettbewerbs.

Als Solistin arbeitete Simone Lamsma mit Dirigenten wie Sir Andrew Davis, Sir Neville Marriner, Jaap van Zweden und Lord Yehudi Menuhin und mit Orchestern wie dem London Symphony Orchestra, der Academy of St Martin in the Fields, dem Dallas Symphony Orchestra und allen großen Niederländischen Orchestern. Nach ihrem CD-Debut, einem Edward-Elgar-Recital, erschien vor kurzem ihre zweite CD mit Violinkonzerten von Louis Spohr.
Die Einladung dieser Spitzengeigerin zu den Schlosskonzert wurde durch die REUTAX AG ermöglicht.
Simone Lamsma spielt eine Antonius Stradivarius von 1718.

 

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Spanien aus Sicht der Touristenschar
Heidelberger Schlossfestspiele: Philharmoniker reisen gen Süden

Spanien war wohl immer schon ein Urlaubsland, gerade auch für Komponisten. Und so kann das erste Heidelberger Schlosskonzert in diesem Jahr die Pointe setzen, lauter "spanische" Musik zu bringen, die von Nicht-Spaniern geschrieben wurde (nur die Zugabe fällt aus der Reihe, Manuel de Fallas "Feuertanz"). Nicht immer ist der Grad der Einfühlung, die Spanien-Liebe groß: Landjunker Edward Elgar etwa schätzte allenfalls den Sherry, den er vor dem Dinner schlürfte. Seine "Spanish Lady Suite" für Streicher tönt gestelzt und förmlich. In der Schluss-Bourrée barockisiert sie gar, und gestriger konnte Musik im Jahre 1934 schwerlich klingen.
Heidelberger Philharmoniker im SchlosshofDoch das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg entlockt ihr unter Dietger Holm eine gewisse schwermütige Schönheit. Im Adagio liegt das Empire - das spanische oder das englische, es ist egal - in mildem Herbstlicht, und der Streicherapparat fühlt sich auch sonst warm und elastisch an. So haben Stücke von nicht immer höchstem Rang doch ihre individuelle Note: In Michail Glinkas tönender "Erinnerung an eine Sommernacht in Madrid" stellt Holm keinen kompakten Open-Air-Sound in den Schlosshof, sondern legt das Klangbild duftig-luftig an, wobei die guten Bläser fast sektiererisch auf ihrer Eigenständigkeit beharren.
Beiläufig gezeigte Virtuosität
In der "Symphonie espagnole" von Edouard Lalo, die eigentlich das zweite Violinkonzert des Komponisten ist, besticht Simone Lamsma mit fein ausphrasiertem Sehnsuchtston. Neben der selbstverständlich und fast beiläufig gezeigten Virtuosität geben sich nachdenkliche, dunklere Facetten zu erkennen. Es ist nicht allein die Höflichkeit des Gastgebers, wenn Dietger Holm der 24 Jahre alten Niederländerin eine Karriere auf den internationalen Podien prophezeit. Er selbst poliert die "reine Oberfläche" im "Capriccio espagnol" Nikolai Rimski-Korsakows. Und im Orchester zeigen viele Stimmführer, dass sie ihr Instrument beherrschen.

Hans-Günter Fischer, Mannheimer Morgen, 30. 06. 2009

 

 
Erinnerung an eine Sommernacht

Heidelberger Schlossfestspiele: Glinka, Lalo, Elgar und Rimski-Korsakow mit iberischen Werken bei der „Spanische Nacht“

Spanien, das Land der lauen Sommernächte, der leidenschaftlichen Stierkämpfe und der temperamentvollen Tänze, Spanien fasziniert die Menschheit nicht erst, seit sie in einem beispiellosen aeroflotten Kraftakt die alte Welt aus Stadt-Land-Fluss zu einem globalen Dorf zusammengeschrumpft hat. So verbindet europäische Komponisten seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Spanien und seiner rassig-rhapsodischen Musik eine „entente cordiale“, die sich seit Michail Glinkas Fantasie „Erinnerung an eine Sommernacht in Madrid“ konsequent durch die Musikgeschichte zog.
Davon legte die „Spanische Nacht“ des Philharmonischen Orchesters der Stadt Heidelberg unter der Leitung von Dietger Holm im Rahmen der Schlossfestspiele ein beeindruckendes Zeugnis ab. Beeindrucken musste die Vorstellung vor allem deshalb, weil dem Orchester mit der Aufführung von Eduard Lalos berühmter „Symphonie espagnole“ op. 21 ein Griff in die Sterne gelang, der nicht unbedingt vorherzusehen war.
Nachdem die ursprünglich für das fünfsätzige Violinkonzert vorgesehene Solistin ihren Part kurzfristig abgesagt hatte, sprang die 24-jährige Geigerin Simone Lamsma für sie ein: Ein echter Glücksgriff, denn Lamsma spielte nicht nur bereits in frühester Jugend solistisch unter Größen wie Sir Neville Marriner und Yehudi Menuhin. Sie besitzt auch eine sagenhafte künstlerische Begabung.
Nicht nur die melodiösen Passagen zwischen den fliegenden Wechseln von hohen und tiefen Lagen erklangen inwarmen, vollen Tönen. Auch scharf rhythmisierte und virtuoseste Scharnierstellen besaßen eine dynamisch exakte, voluminöse Fülle, die nur über die hervorragende Bogentechnik staunen ließ.
Das Orchester brillierte, angeführt von einer Geigerin, die die melodiösen Passagen förmlich aufblühen und die höchsten Triller vogelgleich zwitschern ließ, in exzeptionell ausgewogener Dynamik.
So gelangen Sternstunden, die sich in den Vortrag von Edward Elgars Oerchestersuite über Themen seiner unvollendeter Oper „The Spanish Lady“ und Nikolai Rimski-Korsakows „Capriccio espagnol“ in den klaren Nachthimmel hinein fortsetzten.
Sicherlich ist ein gewisser Deutungsspielraum zu der Frage gegeben, wie spanisch gerade Elgars „Spanish Lady“ wirklich klingt. Das konnte aber dem Musikgenuss keinen Abbruch tun, der sich nach der gelungenen Aufführung unweigerlich einstellte.

Astrid Mader, RNZ 30.06.09

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