Grußwort des Intendanten

 

Liebe Freunde des Heidelberger Theaters & Orchesters,

in 2010 sind wir „ausgewählter Ort im Land Peter Spuhlerder Ideen“. Das ist eine schöne Auszeichnung: ein Ort im Land der Ideen. Oder: Ein Ort mit Ideen! Ich würde mich freuen, wenn man das über die sechs Jahre sagen kann, auf die wir am Ende dieser Spielzeit zurückblicken werden. Ein Ort, an dem es junge Talente, zeitgenössische irritierend-herausfordernde Inszenierungen, wichtige Regisseure von morgen, herausragende Musiker, Tänzer, Schauspieler zu erleben gibt. Wo wir intensiv an einer neuen Idee von Stadttheater gearbeitet haben: ein Theater der Offenheit, das sich in der Stadt, die es beheimatet, fest verankert. Wehmut? Ja natürlich! Freude? Ja klar. So vieles haben wir zusammen mit Ihnen, dem ausgezeichneten Heidelberger Publikum, und für Sie erreicht!

Was haben wir uns jetzt für Sie ausgedacht? Den „Mut zur Freiheit“ haben wir zum Programm gemacht: Da ist ein Konzert für Theremin ebenso vertreten wie eines für Schwangere und die Allerkleinsten. In der Oper gibt es erstmals eine Uraufführung – zum Abschluss meiner Intendanz und in der Bestrebung, in Heidelberg ein sehr zeitgenössisches Musiktheater zu machen.
pvc Tanz Freiburg Heidelberg ergänzt den ungewöhnlichen Spielplan u. a. um einen Abend mit Rahmen-Trommlern, E-Gitarre, Händel-Musik und Tänzern im Rahmen des Barock-Fests WINTER IN SCHWETZINGEN. Im Schauspiel und Kinder- und Jugendtheater finden sich ebenfalls Ur- und Erstaufführungen. Junge, vielversprechende Regisseure gibt es zu entdecken: Daniel Pfluger und Daniel Cremer, Alexander Fahima, Sven Holm und Susanne Øglænd in der Oper; Gavin Webber und Su-Mi Jang im Tanz; Sarantos Zervoulakos, Tomas Schweigen, Felix Rothenhäusler, Martin Süß, Timo Krstin, Dominique Schnizer, Gil’ad Kimchi im Schauspiel und Dominik Günther im Kinder- und Jugendtheater, um nur einige zu nennen.
Dazu kommen – neben herausragenden Solisten – interessante junge Dirigenten: Joana Mallwitz, Justus Thorau, David Danzmayr, Ainars Rubikis, Simon Gaudenz und André de Ridder. KOMPONIST FÜR HEIDELBERG wird der junge Amerikaner Andrew Norman, der u. a. ein Werk mit dem Namen DRIP BLIP SPARKLE SPIN GLINT GLIDE GLOW FLOAT FLOP CHOP POP SHATTER SPLASH zur Aufführung bringt. Die Hauptschul-Initiative „RÜCKENWIND“ und zahlreiche Jugendprojekte werden fortgesetzt.

Dass viele Inszenierungen der Spielzeit 09/10 in 10/11 aufgrund der grossen Nachfrage wieder aufgenommen werden, unterstreicht die Begeisterung unserer Zuschauer für die künstlerische Arbeit. Der Rückblick auf die zu Ende gehende Spielzeit spricht hier eine deutliche Sprache: Die Ersatzspielstätten wurde in einer Weise angenommen, wie es keiner erwartet hatte. Das Heidelberger Theater rechnet mit einem Einnahmerekord und verzeichnet noch einmal gestiegene Abonnentenzahlen – die höchsten der letzten Jahrzehnte. Wir stehen gleichzeitig vor der Bewältigung hoher Sparaufl agen – der höchsten in der jüngeren Geschichte des Theaters. Es ist dabei wichtig zu bemerken, dass dem THEATER & ORCHESTER jetzt bereits die siebte Spielzeit im „Ausnahmezustand“ bevorsteht – und dass der Versuch, den erheblichen Sparvorgaben der Stadt gerecht zu werden, den Belastungsdruck noch erhöht. Das Theater stellt sich dieser Herausforderung, die alle Städtischen Ämter trifft, und hat intelligente Sparideen entwickelt, ohne dass es zu Entlassungen kommt.
Ab der Spielzeit 11/12 wird Holger Schultze das Heidelberger Theater leiten. Das „alte Team“ wünscht den Neuen viel Glück und wird sich um einen harmonischen Übergang bemühen.

Gleichzeitig schreitet die Fertigstellung des sanierten und zu Teilen neu gebauten Theatergebäudes voran; vor wenigen Wochen war Grundsteinlegung des imposanten Gebäudes, das 53 Millionen € kosten wird und im Wesentlichen auch durch Spenden finanziert ist. Die Eröffnung ist im Herbst 2012 vorgesehen. Offen und dringend nötig ist eine Sanierung des Kinder- und Jugendtheaters. Ich würde mich freuen, wenn Sie bis Sommer 2011 mit uns feiern, intelligente Inszenierungen genießen, diskutieren, vielleicht auch immer wieder einmal nicht einer Meinung mit uns sind, und dann dennoch sagen: Ja, „offene Türen, offene Fenster – das haben sie eingelöst“, und ein wenig stolz auf Ihr Heidelberger Theater sind! Ich freue mich über alle meine so überaus engagierten Mitarbeiter, ohne die wir nicht das wären, was wir heute sind!Ihnen allen herzlichen Dank für die sehr, sehr gute Zeit!

Ihr Peter Spuhler, Intendant